HiFi-Anlagen: Das Ende des CD-Spielers

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HiFi-Anlagen

Das Ende des CD-Spielers

Von Marcus Theurer

24. November 2009 

Das Ende des CD-Spielers nimmt seinen Anfang ganz oben: Dort, wo das Geld fast keine Rolle spielt, in der Marktnische der Luxus-HiFi-Anlagen für Klangpuristen. "Unsere Kunden haben erkannt, dass das eine überholte Technik ist", sagt Gilad Tiefenbrun, der Chef des schottischen Edelherstellers Linn Products aus Glasgow.

Mehr als ein Vierteljahrhundert ist es her, dass die Welt staunend den ersten CD-Spielern gelauscht hat. Zum Jahresende stellt Linn als erster Hersteller der Welt die Produktion der Geräte ein. Fachleute zählen die CD-Spieler aus Glasgow zu den besten, die es zu kaufen gibt - doch sie seien eben nicht mehr gut genug, sagt Tiefenbrun.

Die Kunden von Linn sind Technikfans, und sie sind anspruchsvoll. Manche geben 100 000 Euro und mehr für ihre Stereoanlage aus. Dafür aber wollen sie daheim im Wohnzimmer noch das leiseste Knarren der Dielen im Konzertsaal hören und das unmerklichste Quietschen der Saiten, wenn die Fingerkuppen der Musiker übers Griffbrett rutschen.

Vibrieren schadet dem Klang

Die HiFi-Zukunft hat bei Linn vor zwei Jahren begonnen. Nach langer Entwicklung brachte das Familienunternehmen damals seinen ersten digitalen Musikstreamer auf den Markt, ein Gerät, das die Tonsignale nicht von einem physischen Tonträger wie der CD, sondern über ein Kabel von einem separaten Festplattenserver bezieht. Dieser digitale Speicher wird entweder mit von der CD kopierter Musik oder Downloads aus dem Internet gefüttert.

"CD-Spieler entwickeln Hitze, sie haben Motoren, die vibrieren, das alles schadet dem Klang", erklärt Tiefenbrun. Der Linn-Streamer enthält keinerlei bewegliche Bauteile, nichts vibriert und stört. Linn, ein Mittelständler mit 155 Mitarbeitern und 16 Millionen Pfund Umsatz, ist in der Hifi-Branche einer der Vorreiter der Streamer-Technik, und Tiefenbrun war selbst von deren Erfolg überrascht.

"Die Verkaufszahlen von unseren CD-Spielern sind seither drastisch gefallen, und die Streamer machen heute 30 Prozent unseres gesamten Geschäfts aus", sagt er. Zwischen 2000 und 11000 Euro kosten solche Geräte bei Linn.

Der Wandel fängt bei den teuren Geräten an

Ist der CD-Spieler also ein Auslaufmodell wie vor 25 Jahren das Kassettendeck? Linn ist ein Winzling im Geschäft mit der Unterhaltungselektronik, aber der technologische Wandel fängt fast immer bei den ganz teuren Geräten an. Und das CD-Geschäft floriert schon lange nicht mehr. Nicht nur die Verkaufszahlen der Silberscheiben sind in den vergangenen zehn Jahren um fast die Hälfte geschrumpft, während der Umsatz mit digitalen Downloads kräftig wächst. Auch die Abspielgeräte selbst werden immer mehr zu Ladenhütern. 1994 wurden in Deutschland noch 1,7 Millionen CD-Spieler verkauft.

Dieses Jahr werden wohl nur noch rund 83.000 Stück über die Ladentische gehen, schätzt der Branchenverband GfU. Der Absatz von Kompaktanlagen mit integriertem CD-Laufwerk ist ebenfalls stark gesunken. Viele nutzen stattdessen den populären iPod von Apple und ähnliche Geräte längst auch daheim. Eingestöpselt in eine Docking-Station, werden sie zum Herz der Stereoanlage.

Michael Rzymbowski will den CD-Spieler trotzdem noch nicht abschreiben. Der Einzelhändler aus Köln hat sich mit seinem HiFi-Geschäft "Rheinklang" auf die Luxusnische spezialisiert. "Dass Linn aussteigt, überrascht mich", sagt Rzymbowski. Zwar hat auch er eine ganze Reihe von Linn-Streamern verkauft und findet ihren Klang besser als den von im Preis vergleichbaren CD-Spielern. "Aber ein Teil meiner Kunden will weiter etwas in der Hand haben, die wollen eine CD ins Gerät schieben", sagt der Hifi-Experte. "Diese Kunden wird Linn verprellen." Auch der schottische Hersteller hat sich vom anfassbaren Tonträger nicht komplett in die digitale Ungreifbarkeit verabschiedet. Ausgerechnet der im Massenmarkt längst verdrängte Plattenspieler hat bei Linn bis heute seinen Platz im Sortiment. Eine kleine Fangemeinde will mit Digitaltechnik nichts zu tun haben und schwört auf den Analogklang von Nadel und Rille. "Wir denken gar nicht daran, unsere Plattenspielerproduktion aufzugeben", verspricht Unternehmenschef Tiefenbrun und prophezeit: "Die Schallplatte wird die CD mit Sicherheit überleben."

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Peter Sandground